Vorwort – Mein Weg aus der Alkoholsucht

Als ich dieses Buch schrieb, habe ich den Song “Der erste kleine Schritt von Jonathan Zelter rauf und runter gehört. Er hat mir die Kraft und den Mut gegeben, dieses Buch zu verfassen und meine Geschichte erneut zu durchleben. Ich glaube, dieses Lied beschreibt meinen Weg aus der Sucht ganz gut.

Ich bin Denny. 36 Jahre alt, trockener Alkoholiker – und endlich glücklich.

9 Monate ohne Alkohol lagen bereits hinter mir, als ich mich entschloss, dieses Buch zu schreiben. Monate der Überforderung, Hoffnung, Abschied, Erkenntnis und Unsicherheit. Ohne Plan, wie es weitergeht, aber mit der Gewissheit, dass es weitergeht.

Es war nicht das erste Mal, dass ich versuchte, meine Geschichte aufzuschreiben. Der Unterschied diesmal ist: Neben mir steht kein Glas mehr, gefüllt mit grünem „Pfeffi“, ein Pfefferminzlikör – meinem täglichen Wegbegleiter, Trostspender, Kraftgeber und Mutmacher über viele Jahre hinweg.

Noch heute triggert es mich, wenn jemand fragt, ob ich Pfeffi möchte – selbst wenn nur der Tee gemeint ist, trifft es mich wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Zuletzt, ironischerweise, in der Entzugsklinik – bei der Essensausgabe.

Warum ich dieses Buch schreibe, kann ich gar nicht so genau sagen. Auf der einen Seite will ich mich und meine Geschichte besser begreifen. Ich möchte sie noch einmal gedanklich durchleben – um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte und wie alles zusammenhängt. Es ist nicht leicht für mich; oft sogar sehr emotional. Gedanken und Erinnerungen, welche ich schon lange weggeschoben habe, kommen mir wieder in den Sinn. Aber es bringt mir auch Stück für Stück eine stille Form von Zufriedenheit. Es ist, als würde ich mir selbst zuhören – mit mehr Abstand, aber auch mit mehr Ehrlichkeit.

Ich schreibe dieses Buch für mich. Für mein damaliges Ich, das nicht wusste, wie es weitergehen soll. Für den Jungen, der nie dazugehört hat und für den Mann, der sich irgendwann in der Flasche verloren hat.

Lange habe ich geglaubt, ich müsste den Alkohol besiegen. Ich dachte, wenn ich nur stark genug bin, kann ich ihn aus meinem Leben drängen. Doch mir wurde gesagt – und heute weiß ich, es stimmt: Man kann den Alkohol nicht besiegen. Er ist stärker als man selbst. Man muss kapitulieren. Nicht aus Schwäche, sondern aus Klarheit. Ich habe aufgehört, zu versuchen, gegen ihn zu kämpfen. Stattdessen habe ich begonnen, mich von ihm zu lösen. Schritt für Schritt. Ohne Groll. Ohne Drama. Aber mit Konsequenz.

Dieses Buch gibt mir auch die Möglichkeit, mich den Menschen zu erklären, die mich kennen und lieben – so wie ich jetzt bin und wie ich war. Vor allem meiner kleinen Nichte. Sie hat mir gerade in der ersten Zeit unglaublich viel Kraft gegeben. Motivation, weiterzugehen und Abstinent zu bleiben. Vielleicht wird sie eines Tages Fragen haben und dieses Buch lesen. Dann kann ich ihr erzählen, wer ich war und wie ich der wurde, der ich heute bin.

Ich schreibe dieses Buch auch für Andere. Für die, die noch tief in ihrer Sucht stecken. Für die, die glauben, es sei zu spät. Für die, die denken, es gäbe keinen Weg mehr zurück. Ich möchte ihnen zeigen, dass es geht. Dass man sich zurück ins Leben kämpfen kann. Und dass es sich verdammt noch mal lohnt, seinen Weg zu finden – und zu gehen. Auch wenn es nicht einfach ist. Auch wenn man viele Male fällt. Es lohnt sich – immer wieder.

Ich bin nicht besonders stark. Nicht besser. Nicht außergewöhnlich. Ich bin einfach nur einen Schritt weiter gegangen – und dann noch einen. Und irgendwann war ich weit genug weg, um zum ersten Mal zurückzublicken.

Ich schreibe nicht, um Schuld zu verteilen oder meine Sucht zu entschuldigen. Ich will nichts beschönigen – nur ehrlich zeigen, wie es war und wie es heute ist. Dieses Buch ist kein Urteil, sondern eine Einladung zum Verstehen.

An meine Familie – besonders an meine Schwester, meine Eltern und meine kleine Nichte:

Dieses Buch erzählt von dunklen Zeiten, von Schmerz, von innerem Chaos. Es wird euch vielleicht traurig machen. Vielleicht auch wütend.

Bitte denkt beim Lesen daran: Das ist meine Vergangenheit. Nicht mein Heute.
Heute bin ich ein anderer Mensch. Ich bin da. Ich bin wach. Ich bin frei.

Ich habe angefangen, mein Leben wieder zu lieben – mit allem, was dazugehört.

Dieses Buch zeigt, wie ich zu dem Menschen wurde, der ich heute bin. Und dass ich das auch euch verdanke.

Ich hab euch lieb!

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